Wir schaffen es heute tatsächlich, bis um 5:30 Uhr auszuschlafen. Die Kids sogar bis 6:00 Uhr. Die vergangenen Tage sind auch anstrengend gewesen. Den heutigen Tag erwarten wir als Chilltag, also locker. Frühstück gibt es heute erst zum zweiten Mal in diesen Ferien im Hotel, im Cowboy, Buffet & Steak Room, wo Leon und ich gestern noch ein leckeres 14oc Ribeyesteak gegessen haben.

Es gibt typischerweise Scrambled Eggs, Sausages, hart gekochte Eier, Pancakes, Frühstücks-Kartoffeln, Früchte, Toast und Bagels. Leider kein richtiges Brot. Immerhin Butter und Marmelade und Orangensaft. Und für mich koffeinfreien Kaffee. Mein erster Kaffee in den USA 2023! Meine Familie liebt mit Ahornsirup ertränkte Pancakes und Toast. Für mich gibt es ein Bagel mit Blackberrymarmelade.
Gut genährt und zufrieden gehen wir das Auto packen und machen uns für die heutige Reise nach Arizona bereit. Wir haben unterdessen ca. 500 Meilen zurückgelegt, im Tank hätte es noch genug Benzin für weitere 160 Meilen, was ziemlich genau nach Page, Arizona reichen würde. Aber: wir möchten nicht den grossen Umweg über den Highway nehmen, sondern die Cottonwood-Canyon-Road durch die Berge. Diese Route ist direkter, statt rundherum über 150 Meilen zu fahren. Es sind nur knapp 100 Meilen. Das grosse Aber ist: die Strasse ist laut Google teilweise privat oder für den normalen Verkehr nicht offen. Es soll aber eine scenic road sein, also speziell schöne Landschaften. Und es ist über fast 50 Meilen eine Gravelroad, also unbefestigt, zum Teil mit Kies, mit Sand oder mit Steinen statt Teer. Flussquerungen, schlammige Abschnitte nach Regen und weitere Schauermärchen ergänzen die Informationen, welche wir über diese Strasse haben. Da müssen wir durch. Ich habe im Vertrag mit der Autovermietung keine Klausel gefunden, die das Befahren unbefestigter Strassen verboten würde. Also, go for it.
Deshalb tanke ich voll.
Nach 10 Meilen normaler Strasse geht es kurz nach Canonville auf der Kiesstrasse des Cottonwood-Canyons weiter.
Höchstgeschwindigkeit 25 bis 35 mph. Oft ist das natürlich nicht möglich, da es immer wieder grosse Steine, Gräben, Spurrillen oder eingefahrene Spuren aus der Regenzeit auf der Strasse hat. Wie üblich bilden sich auf solchen Strassen Rippeln, wellblechartige Bodenwellen. Übersetzt aus dem Englischen ist das dann eine Waschbrettpiste.
Das sichere und möglichst pannenfreie Fahren auf unbefestigter Strassen verlangt höchste Konzentration. Wenn man einen grossen oder spitzen Stein oder einen Graben übersieht und zu schnell drüber fährt, wars das mit den Reifen. Fährt man zu langsam, sind die Waschbrettrippeln eine Tortur. Das ganze Fahrzeug vibriert und droht (übertrieben gesagt) auseinanderbrechen.
Das nächste Problem in dieser Gegend: Mobilfunk gibt’s da nicht. Die dadurch fehlende Spotify-Verbindung ist noch das kleinere Übel. Bei einer Panne müsste man demnach auf andere Fahrzeuge warten, die einem helfen könnten.
Auf jeden Fall haben wir genug Wasser und Benzin dabei, um im Fall einer Panne länger als einen Tag zu überstehen. Wir sind also on the (gravel-) road
Landschaftlich ist es eine grossartige Strecke. Mit einer durchschnittlichen Geschwindigkeit von ca. 25 mph brauchen wir fast 2 Stunden für die Strecke. An mehreren Zwischenhalten kann auch ich die Landschaft betrachten und bewundern.






Während wir durch kleine Bäche waten, über Hügel mit Strassen ähnlich wie Geröllhalden hochfahren (die von der Grösse der Steine und von der Steigung her eher in einer Kiesgrube zu erwarten wären) oder über kilometerlange Waschbrettpisten holpern, fragen wir uns ständig: gibt es hier noch andere Fahrzeuge, die unterwegs sind bzw. kommen wir überhaupt durch oder ist die Strasse ab einem gewissen Punkt sogar gesperrt? Sind wir wirklich alleine hier draussen?
Erst nach über einer Stunde, also zirka nach der Hälfte der Strecke kommt uns tatsächlich ein Pickup entgegen. Wir winken uns zu, fahren aber weiter. Von dem her scheint alles in Ordnung. Unser X5 schlägt sich wacker. Nach etwas über 2 Stunden unterwegs kommen wir auf den Highway 89, ohne ein weiteres Fahrzeug gekreuzt zu haben.
Das war vielleicht ein Nervenkitzel. Wir sind froh, ohne Panne durchgekommen zu sein. So sieht unser Auto nach der Gravelroad aus:
Die anschliessende Fahrt nach Arizona zum Lake Powell ist ein Pappenstiel. Mit 65 mph brausen wir in Richtung Page. Kurz nach der Überquerung der Grenze nach Arizona stellen wir die Uhren eine Stunde zurück und fahren zum Aussichtspunkt Wahweap, von dem aus man über den Lake Powell und auf den Glen-Canyon-Damm sieht.
Die Temperaturen hier unten auf 1500 m.ü.M, also rund 1000 Meter tiefer als beim Bryce Canyon, sind deutlich höher: 106 °F, also rund 41 °C. Es ist bewölkt. Wenn die Sonne hinter den Wolken verschwindet, hat man das Gefühl, dass die Heizung abgedreht wurde. Kommt die Sonne wieder hinter den Wolken hervor, spürt man die Strahlung deutlich und man meint, die Heizung sei wieder eingeschaltet. Auf jeden Fall wären die 41° C ohne direkte Sonnenstrahlung deutlich angenehmer. Wir bzw. Jan und Leon merken das auf dem anschliessenden Spaziergang zum Horseshoe-Bend, dem hufeisenförmigen Mäander des Colorados. Das Gelände ist gut abgegrenzt, man muss 10 Dollar Parkgebühren bezahlen, wenn man die Attraktion besichtigen möchte. Das ist das erste Mal, das wir fürs Parken bezahlen müssen. Wir sind 4 unter vielen hunderten, die dieselbe Idee hatten. Es ist drückend heiss und wir schmieren und natürlich mit Sonnencrème ein. Einige haben das besser im Griff als andere:

Sorry Anschi, das Bild wird veröffentlicht. 😂🤣
Auf jeden Fall laufen wir zur Klippe hinunter und dürfen das Monument bewundern. Wir schaffen es trotz Besuchermassen Bilder zu schiessen, bei denen man meint, wir seien alleine dort.
Für geografisch bzw. geologisch interessierte hier noch ein Bild der Sandsteinschichten, welche das Plateau bilden und vor ca. 200 Mio. Jahren entstanden sind.

Leon beklagt sich nach einiger Zeit, er sterbe vor Hitze. Er trinkt unsere Wasservorräte leer aber man sieht ihm an, dass er wirklich heiss hat. Wie laufen also zurück und kühlen uns auf dem Weg unter den extra dafür vorgesehenen Unterständen und überschütten Leon mit Wasser.
Beim Anschliessenden Mittagessen im Burger King normalisiert sich die Temperatur von Leon wieder. Leider sticht ihn beim Absitzen irgendein Insekt zuerst in den Hals und dann kaskadenförmig immer weiter runter in den Rücken, bis es das T-Shirt, in dem es vermutlich panisch gefangen war, verlassen kann. Wir haben das Vieh nicht gesehen, wissen nicht was es war. Nur die 6 Stiche in Leon’s Rücken zeugen von seiner Heimtücke bzw. seiner Panik.
Wir behandeln die Stiche mit Fenistil und nach einiger Zeit sind sie auf wundersame Weise praktisch verschwunden. Waren es vielleicht doch keine Insektenstiche sondern 6 kleine Sonnenstiche? Wie auch immer, Leon geht es zum Glück gut.
Wir können dann um 12 Ihr bereits im Hotel einchecken und uns von den Strapazen etwas erholen. (Ich bin nach den 3 Stunden Fahrt wirklich etwas K.O.).
Im Hotelzimmer fällt uns wiederum auf, dass in den Hotels hier die Prioritäten seltsam gesetzt sind. Es hat zwar eine Mikrowelle, ein Bügelbrett und ein Bügeleisen, aber ein Safe fehlt. So müssen wir Pässe und so immer mitschleppen, können nichts im Hotelzimmer zurücklassen. Das ist etwas mühsam, war aber im Bryce Canyon schon so. Kein Safe, aber Bügelbrett und Mikrowelle. Ich will doch hier nicht kochen, geschweige denn bügeln!
Anja und ich dösen für eine Stunde, während Jan und Leon auf dem Smartphone herumdrücken dürfen
Als wir dann alle wieder fit sind, entscheiden wir uns für eine Abkühlung im Lake Powell beim Lone Rock Beach. Warum der Strand so heisst, wird klar, wenn man die Fotos 1 und 4 unten sieht. Der Lone Rock Beach liegt noch in Utah, wir müssen also nochmals zurück und die Uhren nochmals eine Stunde vorstellen… 🤔 Auf der Arizona Seite gibt es keinen vernünftigen Seezugang zum Baden. Das beste ist, man darf hier im Utah mit dem Auto an den Strand fahren. Natürlich auf eigene Verantwortung. Wir fahren so weit wir uns trauen ohne stecken zu bleiben, parken oberhalb der Sanddüne und springen ins kühle Nass. Andere fahren über die Sanddüne bis zum Wasser nach unten.
Das Baden im kühlen Wasser ist super angenehm. Das tut gut. Nach einigem Ballspielen und Man-in-the-middle packen wir nach einer knappen Stunde wieder zusammen. Am Horizont türmen sich Gewitterwolken. Man sieht an den Regenschleiern, dass es an gewissen Orten um uns herum lokal regnet. Bei uns aber nicht.
Zudem beobachten wir, wie einige Junge versuchen, mit 4×4-Jeep und Anhänger vom Strand unten wieder auf den Absatz hochzufahren, auf dem unser Auto steht. Sie haben keine Chance. Schliesslich fahren sie weit den Strand entlang in Richtung Arizona, wo der Anstieg flacher ist. Gut haben wir uns diese Lachnummer erspart und haben oben geparkt… Zurück zum Hotel, Uhren wieder 1h zurück stellen, duschen und parat machen fürs zNacht.
Für’s Nachtessen habe ich ein Sushi-Restaurant in Page mit guter Bewertung gefunden. Anja hat zudem herausgefunden, dass es in diesem Restaurant zwischen 17 und 18 Uhr Happyhour gibt. Sushi, 🍣Sashimi und Bier zum Spezialpreis. Das muss man uns nicht zweimal sagen.

Wir geniessen sehr leckeres Sushi und Lachssashimi mit einem Sapporo. Das hat sich wirklich gelohnt. Leon hat zudem gelernt, mit Stäbchen zu essen. Zuerst wollte er eine Gabel, aber ich habe mehrmals «vergessen», den Kellner danach zu fragen. Nach einigem Probieren und etwas Übung kann er jetzt auch mit Stäbchen essen. Er ist stolz. Jan hatte einen Bärenhunger (wie oft in der letzten Woche), aber auch er wurde satt.
Wir haben am Nachmittag für Übermorgen noch an einem Wettbewerb teilgenommen, um eine Führung zur Wave zu bekommen. Wir haben 4 der ca. 20 Plätze gewonnen und dürfen mitgehen. Yeah…! Ein ereignisreicher Tag, obwohl es ein Chilltag hätte werden sollen.
Jetzt heisst es ab in die Pfanne. 19:30 Uhr Arizonazeit wäre in Utah ja schon 20:30 Uhr, in der Schweiz bereits 4:30 Uhr. Bis ich den Blog fertig geschrieben habe ist es nun 22:30 Uhr hier. Guten Morgen allerseits, ich gehe jetzt schlafen .
Wir können Morgen (vielleicht) sogar ausschlafen…



















Ich habe den letzten Blog beim Morgenessen gelesen! Essen konnte ich gar nicht mehr, vor lauter Aufregung, wie diese riskante Fahrt enden wird, würde! Also ich sagte mir, wenn Tobias diesen Blog schreiben kann, dann sind sie ja durchgekommen aber der Nervenkitzel war sehr gross. Lieber Tobias, dass deine Familie solche Abenteuer mitmacht ist ja schon toll! Ich meinte gelesen zu haben, dass gäbe einen «Cilltag»??? Ja nun ihr seid ja alle gesund und munter und das ist ja das wichtgste. Machts gut und bis zum nächsten Blog, ich freue mich darauf. Übrigens Corinne Gehrig ist mit ihrer Familie auch irgendwo, wo ihr seid. Wäre ein Zufall, wenn ihr euch begegnen würdet! Aber mal sehen
Grüsse vom Mimami
Grossartig, was ihr alles erlebt!! Aber auch waghalsig und abenteuerlustig…zum Glück ist ja Toby ein besonders guter Autofahrer! Der arme Leon mit seinen Stichen ist zu bemitleiden. Zum Glück ist es doch glimpflich abgegangen.
Die landschaftliche Schönheit ist sensationell, die Farben einzigartig. Sie erinnern an die Fauves in der Malerei…ich glaube, die Farben werden euch daheim fehlen
Die kulinarischen Genüsse sind beeindruckend, lasst es euch zünftig schmecken.
Ich wünsche euch weiterhin tolle Erlebnisse. Bleibt gesund und voller Tatendrang.
Küssli vom einsamen Ömi, zum Glück habe ich meinen Marcellino!