Vor unserer Abreise irgendwann im April oder im Mai haben wir an einer Verlosungen teilgenommen, damit wir eine oder mehrere der spannenden Wanderungen im Zion-Nationalpark machen dürfen. Wir haben beim Angel’s Landing gewonnen und dürfen darum in der ersten Besuchergruppe am Morgen auf den Berg hoch wandern. Die Bewilligungen werden kontrolliert, auch dafür, dass nicht zu viele Besucher gleichzeitig zum Engellandeplatz unterwegs sind. Die Wanderung ist streng, steil und gefährlich, da an gewissen Stellen der Weg links und rechts praktisch senkrecht abfällt. Dieses Jahr ist noch niemand hier verunfallt, soll aber regelmässig passieren. 😳
Aufstehen um 4 Uhr früh, wegen der Zeitverschiebung wäre das gestern noch erst 3 Uhr gewesen. Wir sind hier also echte Frühaufsteher! Da das Restaurant fürs Frühstück erst um 7 Uhr öffnet, essen wir wiederum was Kleines im Hotelzimmer. Wir füllen zudem unsere Wasserflaschen mit Eis, so dass das Wasser länger kühl bleibt. Jeder von uns hat 2 Liter Wasser dabei. Ich noch etwas Reserve und den grössten Teil des Essens. DarVida und Beef Jerky.
Wir freuen uns auf die erste richtige Wanderung heute und sind gut vorbereitet. 👍
Um 5:30 Uhr starten wir und fahren zum Eingang des Zion-Nationalparks. Das ist nicht so weit, aber um diese Zeit fahren noch keine Busse dahin. Im Park selbst darf man nicht selber fahren, sondern muss die Parkbusse nehmen, welche regelmässig durch den ganzen Park rotieren.
Für den Eintritt brauchen wir dazu noch einen Nationalparkpass, der ein Jahr gültig ist.
Am Eingang des Parks sind die Kabhäuschen für die Eintrittskontrolle aber noch leer, unbedient. Man kann aber trotzdem einfach so reinfahren, was wir auch tun. Wir sind nicht ganz die ersten, aber unter den ersten 20 Autos. Ich suche einen Parkplatz unter einem Baum, da es heute besonders heiss werden soll. Maximaltemperaturen von ungewöhnlich hohen 43 Grad – und das auf 1200 m.ü.M.
Da es noch stockdunkel ist, suchen wir etwas unschlüssig die Bushaltestelle und laufen richtig Licht. Wir finden aber das Busterminal unter freiem Himmel (wo ca. 50 Busse mit eingeschaltetrm Motor und Scheinwerfern warten), wo man uns die richtige Richtung weist.

An der Bushaltestelle angekommen sind wir vorne mit dabei und steigen um 5:55 Uhr in den ersten Bus des Tages ein, der vorfährt. Cool!
Kurz darauf geht es los, der Bus ist prall gefüllt, zusätzlich ein voller Anhänger und ist dadurch so schwer, er kommt kaum vom Fleck. Er müht sich neben dem Flusslauf des Virgin Rivers das Tal hoch und eine Lautsprecherstimme erklärt dabei die Entstehung des Tals. Eine halbe Stunde später bei Halt 6, dem «Grotto» sind wir am Ausgangspunkt der Wanderung. Die Kulisse ist überwältigend. Die Temperature bei angenehmen 22 Grad. Die Sonne geht auf.

Wir laufen zusammen mit circa weiteren 30 Personen los, queren den Virgin River über eine Brücke und wandern in Richtung Angels Landing. Der Weg ist zuerst flach und steigt dann immer mehr an, bis man über Serpentinen eine senkrechte Felswand überwindet. Dann geht es ein paar hundert Meter in ein schmales Tal hinein, bevor dann ein weiterer steiler Anstieg mit 21 Serpentinen überwunden werden muss.






Hier angekommen gibt es einen Restroom (=WC) u.a. für Jan, unsere Pissnelke. Dabei haben wir noch fast nix getrunken. Das holen wir dann nach und weiter geht es. Seit Anfang der Wanderung wird immer wieder darauf hingewiesen, man solle die Permit, also die Bewilligung bereit halten. Beim Zugang zum eigentlichen Pfad auf den Gipfel steht zwar ein Ranger, aber es werden keine Permits kontrolliert. Vielleicht Stichproben, aber uns nicht.
Ab dann wird es krass. Wir laufen eine schräge liegende Sandsteinplatte hoch, anfangs noch ungesichert, später dann gesichert durch das Halten mit der Hand an einer Kette. Das Ende der Platte ragt 5 Meter weiter unten über eine senkrechte und 200 Meter hohe Felswand. Wer hier abrutscht ist weg. Der Weg zieht sich über verrückt steile Grate und Vorsprünge hoch. Zum Teil läuft man direkt am Abgrund. Zudem windet es noch recht stark und nicht überall wird der Weg mit Ketten gesichert. Die Konzentration ist und muss hoch sein, ein mulmiges Gefühl erfüllt uns. Bei einem Übergang muss ich zurück und Anschi helfen, da sie leicht überfordert ist von den Bedingungen. Jan macht es super, selbständig, sicher. Ich sichere Leon, indem ich ihn führe und wenn immer möglich halte.





Innerlich verflucht sich Anja wohl, da sie diese Tour ja gewählt hat. Auf den Bildern der Tourbeschreibung ist jedoch nicht zu sehen, wie steil und wie schmal der Weg tatsächlich ist. Da der Fels auch aus Sandstein besteht, ist es zum Teil auch noch rutschig. Die Leute mit Turnschuhe sind nicht zu beneiden, aber selber schuld. Ich sehe mehrere, die mit Turnschuhen rutschen.
Wir haben gute Schuhe an. Trotzdem stellt sich die Frage: wollen wir das durchziehen oder kehren wir um.
Hey, wir überlegen uns, umzukehren! Dazu braucht es wirklich Viel. Zu allem Übel kommt uns noch eine Frau mit 2 Kindern entgegen und wettert – zum Glück auf Englisch, so dass Jan es nicht versteht – das sei also nichts für kleine Kinder hier. Sie kehre um. Ihre Kinder sind so 8 bis 10 Jahre alt. Wir überlegen uns, ob Dädi hier auch hochgekommen wäre. Wir sind uns einig, also Ömi bestimmt nicht! Dädi wahrscheinlich schon. Wir sind uns auch einig, für kleine Kinder ist das nichts. Aber unsere sind schon grösser und wir wollen das schaffen. Schwieriger kann es kaum werden und wir sind schon weit gekommen. Einfach langsam, Schritt für Schritt, ich sichere Leon und helfe Anja wo nötig. Wir klettern höher und höher, überwinden einen Abgrund nach dem anderen und steigen mit Bedacht. Es zieht sich. Höher und höher geht es. Hinter und neben uns geht es immer weiter nach unten.
30 Meter unter dem Gipfel (man sieht ihn nicht von da aus) gehen mit Anja die Nerven kurz durch und sie überlegt laut, hier mit Leon zu bleiben und zu warten, bis Jan und ich vom Gipfel zurück sind. Das kann jetzt ja wohl nicht ihr Ernst sein. Schlussendlich überwindet sie sich, den letzten Anstieg in Angriff zu nehmen und sie hat es nicht bereut. Ein fantastischer Ausblick, 1765 Meter hoch, rund 500 m höher als das Tal. Der letzte Kilometer des insgesamt 5 km langen Aufstiegs, hatte es aber wirklich in sich! Nichts für schwache Nerven und nur für Schwindelfreie. Wir haben dafür gleich lang gebraucht, wie für die ersten 4 Kilometer.
Auf dem Gipfel dann ein Rudel Streifenhörnchen in verschiedenen Größen, die uns unser Picknick klauen wollen und sich dabei sehr mutig zeigen…



Auf dem Rückweg dann ein Mann in unserem Alter, der uns sieht und zu seiner Frau sagt: «Also ich wäre ziemlich nervös, wenn ich meine Kinder hier dabei hätte…». Ich mußte ihm dann entgegnen, dass das doch ganz auf die Kinder ankommt, oder nicht?
Das Herunterlaufen war dann wirklich ‚a piece of cake‘, Peanuts. Jan hat nie Hilfe benötigt, Leon musste ich sogar oft bremsen, weil er sonst übermütig geworden wäre und auch Anja fand, es sei viel einfacher gewesen als hoch. Normalerweise ist es umgekehrt, oder? Das Mentale spielt hier sicher auch mit. Die Erwartungen und dann die Realität mit dem Abgrund vor Augen, das Wissen, dass ein Ausrutscher schlimm enden könnte, der zeitenweise stürmische Wind, was einen die Anforderungen ganz anders empfinden lässt.
Aber wir waren in null komma nix wieder beim normalen Pfad unten und fanden den Trail jetzt recht einfach. Ist er zwar ehrlicherweise nicht, aber wir haben uns schon daran gewöhnt und wissen nun, wir können das! Wir haben wirklich zwei tolle Jungs. Das haben sie hervorragend gemacht. Vor allem, dass sie sich in den entscheidenden Momenten voll konzentrieren konnten, nie jammerten und an schwierigen Schlüsselstellen auch nicht vor Angst paralisiert waren.









In total 3:45 Stunden mit allen Pausen sind wir hoch gelaufen und waren wieder unten. Eine super Zeit und eine tolle Erfahrung, was uns auch die geplante 8 stündige (laut Guides) Wanderung in den Grand Canyon in einem anderen, positiveren Licht erscheinen lässt. Immerhin hatten wir heute einen außergewöhnlich heissen Tag. Davon haben wir nicht viel gemerkt. Es ist zwar unten schon deutlich wärmer, es windet auch weniger als oben am Gipfel. Wir haben zudem noch Wasser übrig. Aber es ist okay.
Das Auto stand wie geplant als eines der wenigen im Schatten und war schön kühl. Und alle, die jetzt erst im Park ankommen, suchen verzweifelt einen Parkplatz. Es ist alles voll. Wir machen einen frei. Zur Belohnung gibt es nun Sandwiches von Jans Lieblings-Fastfoodkette: bei Subway.
Nun brauchen wir erstmal etwas Ruhe und machen deshalb Siesta im Hotel. Wir schlafen alle etwas nach und erholen uns von den Strapazen. Danach mieten wir für Morgen Neoprensocken und wasserfeste Schuhe für das nächste Abenteuer, kaufen Wasser und Bananen ein und ich suche ein Restaurant für den Abend. Nach unserem Ausflug zum Angels’s Landing kommt da nur King’s Landing in Frage.
Bis dahin heisst es Abkühlen im Pool für Jan, Leon und Mami. Ich war gestern mit den Kids im Pool und gönne mir heute ein Bier, schreibe am Blog und lese etwas.
Das Nachtessen im King’s Landing war spitze. Jan und ich haben uns ein 14 oc (=400g) Ribeye-Steak mit Gemüsebanane, Broccoli und Roquefort geteilt, Anschi hatte Lamm und Leon Pommes und von uns allen ein paar leckere Happen. Wir sind der Meinung, dass wir uns dieses leckere Essen heute verdient haben.
Gesättigt und müde fallen wir danach um 20 Uhr ins Bett.
Was die Hitzewelle in den USA angeht: -> siehe hier, so spüren wir das schon auch, wir sind aber meist frühmorgens unterwegs und nutzen so die kühleren Stunden. Am heißesten ist es heute um 17 Uhr mit 112 °F oder ca. 44 °C.
Im Auto wird es locker 60 Grad, man verbrennt sich am Chassis und an den Ledersitzen, wenn man nicht aufpasst. Das Lenkrad glüht fast, wenn die Sonne drauf knallt. Am heißesten soll es übermorgen Sonntag und am Montag werden mit Temperaturen gegen 48 °C.
Wie wenn Anschi das gewusst hätte, hat sie so geplant, dass wir Morgen eine Flusswanderung machen werden und so während den 4-5 Stunden Wanderung angenehme Abkühlung haben werden. Für die Folgetage geht es in Richtung Bryce Canyon, der viel höher liegt, so dass wir den hohen Temperaturen entkommen und angenehme Temperaturen um 30 °C haben werden. Für nächste Woche, wenn wir u.a. zum Grand-Canyon und ins Death Valley gehen werden, wird die Hitzewelle voraussichtlich und hoffentlich vorbei sein.
Für die kommenden Tage wird im Death Valley übrigens ein neuer Hitzerekord erwartet, sobdass der alte 110 jährige Rekord von 1913 fallen könnte. Am 10. Juli 1913 wurden dort 56.7 Grad Celsius registriert. Wir sind froh, müssen wir für den Rekord nicht dabei sein.
Ich habe deinen Bericht gelesen. Sowas von eindrücklich wie du schreiben kannst! Ich bin richtig stolz auf dich. Wenn du ein Buch schreiben würdest, ich würde es sofort lesen, gleich was für ein Thema, dein Stiel zu schreiben ist einfach fantastisch. Also ich hätte nicht gedacht, das der «Engelweg» soooo gefährlich ist. Aber ihr habt das ja gut gemeistert. Ich habe sowieso das Gefühl ihr seid sehr gut unterwegs. Das früh aufstehen ist auch super, wegen der Wärme! Wir gehen auch dem Schatten nach. Weiterhin soviel Mut und Ausdauer. Liebe Grüsse vom Mimami
Danke für die Blumen. 😀
Danke für die wunderschönen Bilder und danke dass wir auch an euren Abenteuer teilhaben dürfen. Danke! Danke! Danke!
Also von mir aus könntet ihr das ganze Jahr über in die Ferien gehen, wenn es täglich so spannende liveberichte gibt. Danke Tobi, Du bist ein begnadeter Schreiberling. Weiterhin gute Zeit, aber übertreibt es nicht. Herzliche Grüsse an alle von euch Abenteurer.