Nationalpark Timanfaya
Aus dem Tagebuch des Gemeindepfarrers von Yaiza, Don Amires Lorenzo Curbelo, 1. September 1730.
Die Eruptionen dauerten sechs Jahre lang – es waren die längsten und heftigsten Vulkanausbrüche, die je auf den Kanaren verzeichnet wurden: 26 Vulkane spieen abwechselnd Feuer, und das Bersten des Gesteins klang angeblich so laut, dass man es sogar auf Teneriffa noch hören konnte – in rund 250 km Entfernung! Als die Erde aufhörte zu beben, waren etwa 200 Quadratkilometer Land unter Lava begraben – ein Drittel der Insel, zahlreichen Dörfern und Gehöften und den fruchtbarsten Gebieten. Die Lavaschicht in der Region des heutigen Nationalparks ist Schätzungen zufolge bis zu vier Meter dick! Ironie des Schicksals: die zerstörerischen glühenden Lavamassen vergrößerten die Insel um ein Drittel ihrer damaligen Fläche.
Glücklicherweise gehören die Vulkane der Kanaren zum sogenannten Hawaii-Typ, das heißt sie kündigen ihre Ausbrüche lange vorher an, sind nicht explosiv und daher nicht von so verheerender Zerstörungskraft. Das Gebiet wurde rechtzeitig evakuiert, sodass es weder Tote noch Verletzte zu beklagen gab. Da jedoch der Großteil des Ackerlandes zerstört war, waren viele Insulaner verarmt, und einige verließen Lanzarote. Weil eine verlassene Insel gegnerischen Mächten, etwa den Briten, als strategisch günstig gelegener Seestützpunkt mehr als willkommen gewesen wäre, verhängt die spanische Regierung ab auf «Inselflucht» alsbald die Todesstrafe.
«1824 brauchen erneut drei Vulkane aus, und zwar am Rande des heutigen Nationalpark. Die sengende Hitze war weithin spürbar, und angeblich konnten Seefahrer die Insel hinter dichtem Rauch und Nebel kaum mehr erkennen. Abermals gab es weder Tote noch Verletzte, und der materielle Schaden hielt sich diesmal ebenfalls in Grenzen. Und doch: «Am 29 September durchbrach der Vulkan die Lavaschicht von 1730, und glühende Sturzbäche goßen sich ins Meer. Unablässiger ertönte lautes Krachen wie Donnerschläge, das den Inselbewohnern noch viele Kilometer entfernt den Schlaf raubte. Heute haben wir den 18. Oktober, und zweifellos brodelt auch unter unseren Füßen die Erde. Gestern durchbrach der Vulkan die Lavaschicht inmitten einer großen Ebene und spiele eine Säule kochendes Wasser 50 m hoch in den Himmel.»
Aus Briefen von Don Augustin Cabrera
Vulkanismus auf Lanzarote
Mehr als 300 Vulkankegel prägen das Gesicht der Insel. Auf Lanzarote findet sich Lavaergussgestein im Wesentlichen in drei Formen. Größtes Auswurfprodukt ist die sogenannte Bombe, die ungefähr die Größe einer Grapefruit, aber auch die eines massiven Felsens haben kann. Kleiner ist der leichtgewichtige Bimsstein aus Schlackebrocken («Escoria» genannt), die durch heiße Gase durchlöchert sind wie Bienenwaben. Kleinstes Lockerprodukt sind die Lapilli oder «Picón», Aschepartikel, deren Eigenschaften Bauern und Winzer besonders schätzen, da sie über Nacht Feuchtigkeit aufnehmen können, die tagsüber an die Wurzeln der Pflanzen abgegeben wird und so einen Trockenfeldbau möglich macht.
Auch Lava ist nicht gleich Lava. Wenn dicke, sehr flüssige Lava erstarrt, entstehen raue, scharfkantige Oberflächen. In Anlehnung an die hawaiianische Terminologie spricht man hier von Aa-Lava, sie bedeckt oftmals weiträumige Blockfelder, das sogenannte Malpaís (Ödland). Dünnflüssiger und schneller fließt dagegen die Pahoehoe-Lava, die erkaltet feine und strukturierte Oberflächen bildet. Diese Form wird auch Stricklava genannt, weil ihre Stränge mitunter wie Seile geformt sind.
Zurück in die Gegenwart und zur Familie Handschin
Diese und andere Naturgewalten und -phänomene haben es mir angetan. Zum Glück können Anja und ich unsere Boys auch dafür begeistern. Wir sind heute deshalb in den Montañas del Fuego, den Feuerbergen unterwegs. Wir fahren also nach Mancha Blancha und laufen dann über einen Teil der oben erwähnten Lavafelder zur Caldera Blancha. Anfangs mühsam auf dem Bimsstein und den Bimssteinchen zu laufen, gewöhnt man sich jedoch erstaunlich schnell daran. Wir sehen Eidechsen und viele Pionoerpflanzen sowie Flechten in verschiedenen Farben. Die Landschaft ist karg und wild und beeindruckend schön.
Nach rund einer halben Stunde Wanderung erreichen wir die kleinere der beiden Calderas, die Montana Caldereta.

Wir laufen über den Kraterrand rundherum und sehen dabei eine heimische Riesenraupenart eines Kanaren-Wolfsmilchschwärmers.
Es wird in der Sonne langsam drückend, obwohl die Luft nur 22 °C warm ist. Zum Glück weht der Passatwind vom Meer her und bringt etwas Kühlung. Auf dem höchsten Punkt des Kraterrandes angekommen brauchen wir eine kurze Pause. Die Jungs haben genug Energie, um vor der Kamera noch etwas zu posen…
Weiter geht es dann wieder zuerst runter und über ein weiteres Lavafeld zur größeren der beiden Calderas. Anja und Jan laufen auf dem Kraterrrand etwa auf die halbe Höhe, Leon und ich machen so lange Pause.




Sehr eindrücklich, auch die Aussicht.


Die Farben und die Kargheit erinnern zum Teil etwas an Island. Die Temperaturen hier sind aber definitiv höher!
3 Stunden, ca. 10 km und einige Höhenmeter später sind wir zurück beim Auto. Jetzt möchten wir noch den eigentlichen Hotspot, das Zentrum der Eruptionen des 18. Jhs. sehen. Wir fahren also zur Islote de Hilario, dem Hilario-Inselchen. Normalerweise mit Touristen überfüllt, kriegen wir sofort einen Tisch im vom Hauskünstler Lanzarotes gestalteten Restaurants vor Ort – gemeint ist natürlich Manrique César. Das Spezielle ist, dass das Essen auf einem Rost über der Restwärme des Vulkans geröstet und gebraten wird.

Die Temperatur unten in 3 m Tiefe beträgt ca. 300 °C. Heiss genug, um Spiesschen und Hähnchen zu braten. Draussen vor der Glasscheibe des Restaurant sind im Boden Rohre eingelassen, mit denen künstliche Geysire erzeugt werden können. Zudem faucht aus verschiedenen Öffnungen im Boden glühend heisse Luft, so dass kleine Äste sofort Feuer fangen, wenn sie damit in Berührung kommen. Das möchten wir natürlich nicht verpassen.




Das beste zum Schluss. Da der Nationalpark aufgrund des sensiblen Ökosystems und der so schon harten Bedingungen für die Pflanzenwelt für Touristen nicht öffentlich zugänglich ist, fahren wir mit einem Reisebus (11 Personen in einem 50er Bus) durch die fantastischste Landschaft, die wir hier bisher gesehen haben. Dazu braucht es wohl keine weiteren Worte:
Leon meinte, er würde gerne sehen, wie ein aktiver Vulkan aussieht. Er wäre also gerne vor knapp 300 Jahren dabei gewesen… 😁 Ich auch, aber nur kurz um zu sehen, wie das live aussieht. Wir haben dann beschlossen, auf Youtube einen Film zu suchen, auf dem man es sieht.
Landschaftlich also absolut top. Nach diesem Highlight ging’s zurück ins Hotel, an den Pool entspannen. Morgen werden wir nochmals im selben Gebiet aber auf der Südseite des Ausbruchs unterwegs sein. Hasta Luego und gute Nacht…













Schlicht super…!
Es ist unglaublich spannend, alles mit euch zu erleben dank den einzigartig schönen Fotos und dem Text. Danke! Küsschen vom Ömi.
Danke, danke, danke für die tollen Berichte und die super Aufnahmen. Genial dass ihr uns an euren Ferien teilhaben lassen. Wir verfolgen eure Reise total gespannt. Liebe Grüsse auf die Insel vom Mimami
Cool. Ja an dieser Tour waren wir auch. Ich erinnere mich gut an die Vorführung vor dem Restaurant… Kurt an die Tratschtante mit uns im Bus. 😂😂😂