Das Hotel in Ridgecrest war das günstigste bisher. Anfangs ist uns unklar, weshalb. Die Stadt ist umgeben von einem Armeestützpunkt. Es gibt Arbeitersiedlungen für Hunderte von zivilen Hilfskräften, welche wahrscheinlich auf dem Stützpunkt arbeiten. Unser Hotel scheint auch ein Anlaufpunkt für Fernfahrer zu sein, welche hier übernachten. Die Preise für das Essen oder das Benzin sind hier eher höher als vorher. Zum Vergleich, die Gallone (≈4 Liter) Benzin hat in Nevada um die USD 3.50 gekostet. Im Death Valley bei Furnace Creek im Vergleich zu bisherigen Preisen lächerlich hohe USD 6.56. In Ridgecrest kostet eine Gallone aber um die USD 5.00. Immer noch viel günstiger als in der CH, aber eben recht teuer für US-Verhältnisse.

Das Zimmer ist mega sauber, das Badezimmer gut eingerichtet und mit allem ausgestattet, was nötig ist, inkl. Kaffeemaschine. Aber man hört von den Gästen über uns jeden Schritt und man hat das Gefühl, sie brechen jetzt dann gleich durch die Decke. Die Klimaanlage ist glaub aus dem letzten Jahrhundert. Laut und ineffizient. Es bläst so stark, dass Anja das Bett wechseln muss. Sie ist etwas empfindlich auf Luftzug. Kühlen tut es nur bedingt. Die Lautstärke nimmt auf jeden Fall überproportional zur Kühlleistung zu. Jan und ich schlafen deshalb im einen Queensizebett, Leon und Anja im anderen. Wir haben schon besser geschlafen, unsere Kids sind «Ranggifüdli», wie wir feststellen müssen. Trotzdem oder gerade deswegen schlafen wir bis fast 8 Uhr…
Frühstück ist inklusive mit der gängigen Auswahl. Zum Glück für Jan und Leon gibt es hier aber mal Nutella! HEUREKA, der Tag ist gerettet!
Gepackt und im Auto verstaut haben wir das Gepäck innerhalb von 15 Minuten. Die Kinder packen und machen sogar selber ihre Koffer bereit, während Anja und ich noch beim Frühstück sind. Hallelujah. Ich dachte, ich sehe nicht recht. Ohne, dass wir was sagen mussten. Super gemacht Jungs!
Die Fahrt heute ist wieder um die 200 Meilen. Zuerst geht es über mehrere Pässe in Richtung Westen, es ist sogar schon Los Angeles ausgeschildert. Wir folgen dem Highway 178 bis nach Lake Isabella. Wunderschöne Strassen durch Täler und über Gebirge von 300 bis auf fast 6000 Fuss hoch. Zuerst ist die Landschaft noch trocken und karg, Prärie halt, dann gibt es zuerst Palmen und Joshuatrees bzw. Joshuabäume. Mit der Zeit und grösserer Höhe ist die Wasserverfügbarkeit dann höher und es wachsen dann immer mehr vereinzelte Nadelbäume und später lichte Wälder. Plötzlich fliesst dann auch Wasser und die Landschaft beginnt zu grünen.




In Lake Isabella besuchen wir das Pendant zum Ballenberg, einfach etwas kleiner und mit US-Häuschen des mittleren Westens. Ein Familienbetrieb, der es sich zur Aufgabe gemacht hat, die Häuser zu bewahren, welche vor 150 Jahren in dieser Gegend gebaut und genutzt wurden.
Neben den Häusern liegt unglaublich viel Krimskrams und altes Werkzeug herum. Das Herz ❤️ jedes Sammlers wird hier höher schlagen. Aber auch für mich ist es etwas zu Viel des Guten. Die Häuser, die Ausstattung und die Einrichtung sehen aber authentisch aus und lassen erahnen, wie es vor 250 Jahren hier zugegangen ist. Saloons, Restaurants, Wells-Fargo Unterkünfte mit Barbier, Marshall’s Office, Jail, Behausungen von Goldgräbern und Minenarbeitern. Ein interessanter Einblick. Mit 26 Dollar für uns vier ist das Gebotene ganz okay. Es gibt vom Besitzer auch noch einen kurzen Vortrag. Er möchte sich aber nicht ablichten lassen…
Um 11 Uhr fahren wir dann weiter bis nach Bakersfield, wo wir wieder in einem Applebee’s zum Mittagessen einkehren. Ja, wir lieben den Applebee’s. Das Tolle dabei ist, dass man nach dem Essen das Getränk nochmals auffüllen lassen kann und so einen Becher mit eisgekühltem Was-auch-immer mit auf den Weg kriegt (das geht aber in jedem anderen Restaurant auch). Bleibt gut 2h kühl so.
Die Fahrt auf dem Highway 65 führt dann zuerst an Tausenden von Ölpumpen vorbei, die immer noch Öl aus dem Boden holen. Die ganze Landschaft ist mit Pumpen und Strommasten übersäht, da die Motoren alle mit Strom laufen.





Wenig später ändert sich das Bild, als sich zu den Pumpen immer mehr Obstkulturen dazu gesellen. Wir kommen an Ebenen mit Kulturen von Oliven, Orangen, Limetten, Weinreben und Mandeln vorbei. Alles bewässert. Die Früchtekammer Kaliforniens und des Rests der USA.
Nach 4 Stunden Fahrt kommen wir endlich auf den Highway 198, der in den Sequoia Nationalpark führt. Die Strasse steigt stetig an und wir fahren wiederum von 150 m.ü.M auf über 2200 m.ü.M. oder fast 7000 Fuss hoch.
Die Strasse windet sich endlos empor, bis wir schliesslich vor den riesigen Mammutbäumen stehen.
Was für majestätische Lebewesen!
Der Riesenmammutbaum ist ein immergrüner Baum, der Wuchshöhen von bis zu 95 Meter und einen Stammumfang von über 34 Meter an der sehr weit ausladenden Basis erreichen kann. Bei den größten Exemplaren kann der Stammdurchmesser knapp über dem Boden gemessen über 10 Meter, in 1,30 m Höhe gemessen als Brusthöhendurchmesser über 8 Meter betragen. Der Baum bildet eine hohe, schmal kegelförmige Krone aus, wobei die Stämme in hohem Alter auf bis zu 50 Meter Länge astfrei sein können. Die Kronen der berühmten größten, bis über drei Jahrtausende alten Exemplare zeigen oft Spuren erlittener Sturm- und Blitzschäden. Die dicke, faserige Rinde der Riesenmammutbäume schützt sie vor Waldbränden, die in den trockenen Wäldern an der Sierra Nevada in den westlichen USA häufig auftreten können. Die meisten alten Bäume wie z. B. die im Sequoia-&-Kings-Canyon-Nationalpark zeigen deutliche Brandnarben, welche aber, wenn der Baum nicht zu stark geschädigt ist, wieder verheilen. Die Zapfen der Riesenmammutbäume öffnen sich erst nach einem Waldbrand. Nachdem viele der anderen konkurrierenden Pflanzen verbrannt sind, können die Samen ungestört in der nährstoffreichen Ascheschicht keimen. Die Riesenmammutbäume können sehr alt werden und wachsen enorm in die Breite. Im natürlichen Verbreitungsgebiet bilden Riesenmammutbäume ein wenig tief reichendes, flach- und weitstreichendes Wurzelwerk aus. Die Wurzeln älterer Bäume dringen zumeist nicht mehr als einen Meter in die Tiefe, breiten sich aber bis zu 30 Meter seitwärts aus und können Flächen von bis zu 0,3 Hektar durchwachsen. In Mitteleuropa wurden an jüngeren Bäumen auch bis zu 1,80 Meter tiefe Pfahlwurzeln festgestellt. Der zurzeit nach dem Rauminhalt seines Stammes größte Riesenmammutbaum, der General Sherman Tree im Sequoia-Nationalpark, ist knapp 84 Meter hoch und hat in Brusthöhe einen Durchmesser von etwa 8,25 Meter, am Boden rund 9,95 Meter, was einem Grundumfang von über 31 Metern entspricht. Den breitesten Stamm soll der General Grant Tree haben, bei ovaler Grundfläche mit einem maximalen Durchmesser von knapp 13 Metern. Die ältesten dieser Bäume sollen über 3000 Jahre alt sein. Allein das Stammvolumen der größten lebenden Bäume beträgt nahezu 1500 m³, womit sie die größten Pflanzen der Erde sind; ihr Gewicht soll bei über 2400 Tonnen liegen. (Wikipedia)
Wir erklimmen noch den Moro-Rock mit einer fantastischen Sicht auf die Gipfel der Sierra Nevada.


Um 17:30 Uhr kommen wir bei der Wuksachi-Lodge an. Der einzigen Übernachtungsmöglichkeit im Park. Und dem einzigen Restaurant. Es riecht nach Kiefern und trockenem Wald, wir hoffen Bären zu sehen.
Das Nachtessen gestaltet sich etwas schwierig, da sich in der Küche des Restaurants der Herd mit Rauch und Funkenbildung verabschiedet hat. Die Menükarte schrumpft darum auf 3 Gerichte zusammen. Pizza, Salat und Forelle mit Bohnen. Auch das Bud-light gibt’s nicht mehr. Belgisches Moonshiner ist das einzige zapfbare Bier. Da wir schon zum Mittagessen Salat hatten, nehmen wir die beiden anderen Menus. Wir warten dann auf der Terrasse mit 40 anderen hungrigen Gästen über eine Stunde auf unser Essen. Wir tragen es mit Fassung. Ich kann mir schlechtere Orte und schlechteres Bier dafür vorstellen. 😬 Die Temperatur sinkt währenddessen auf angenehme 18 Grad. Wir brauchen sogar unsere Pullover!
Hirsche äsen neben der Terrasse, ein Muttertier mit 2 Kitzen läuft vorbei. Was für ein wundervolles Ort! Der Bär zeigt sich allerdings noch nicht.
Mit dem Licht des Mondes ziehen wir uns dann in die Lodge zurück, wo wir uns für den morgigen Tag im Schlaf von all den Eindrücken erholen.

















