Leider ist die Nacht für mich bereits um 4:30 Uhr schon wieder zu Ende. Länger schlafe ich nicht, obwohl es erst um 6:30 Uhr Frühstück gibt. Mist, ist das etwa bereits senile Bettflucht? Darauf erwarte ich keine Antwort.
Um 5:30 Uhr gesellt sich dann auch meine Familie zur allgemeinen Ausharraktion dazu und gemeinsam meistern wir die Stunde bis zum Morgenessen.
Die Auswahl ist begrenzt, ist auch ein kleines Hotel. Aber es gibt Honig 🍯, 🥜-butter, Marmelade 😋 und Toast, Waffeln und Ahornsirup. Genug, damit alle was Passendes finden. Arme ertränkte Waffeln. Zusätzlich entdeckt Jan Blaubeermuffins. Wenn etwas in sein Beuteschema fällt, ist Jan ja nicht zimperlich und probiert gern Neues aus. So auch hier. Dass er damit, mit einem einfachen 🧁 fast das Hotel evakuieren lässt, konnten wir wirklich nicht ahnen.
Und das kam so: das Muffin ist eigentlich noch halb roh, der Teig im Inneren viel zu feucht und geschmacklos. Für Jan das schlechteste 🧁, das er je probiert hat, einfach ungeniessbar. Ich schlage ihm vor, das Muffin in der Mikrowelle nochmals warm zu machen, damit der Teig besser durch wird. Gesagt, getan. Wobei Jan Mühe bekundet, die Mikrowellentüre überhaupt aufzukriegen. Die Anweisung: «drück den grossen weissen Knopf unten rechts» bringt nichts. Er programmiert munter die Mikrowelle um, drückt alle Knöpfe, aber eben nicht den Türöffner. Ich weiss nicht, ob ich mich ärgern oder lachen soll… Schliesslich schafft er es und er programmiert mal 30 Sekunden. Das geht ziemlich schnell und es ist noch nichts zu sehen. Also schlage ich vor, nochmals 1 Minute hinzuzufügen. Ob es die Kombination Muffin-Mikrowelle ist oder ob Jan die Leistung zu hoch geschraubt hat. Das war auf jeden Fall ein Fehler! Nach weiteren knapp 20 Sekunden fängt die Mikrowelle an, weissen Rauch zu produzieren. Es qualmt bereits zur Türe raus. Dichter, weisser Qualm! Ach du Sch…. Ich rufe Jan zu, die Mikrowelle sofort zu öffnen, um sie abzuschalten. Das macht er erstaunlich schnell, er findet dieses Mal auch den richtigen Knopf. Ich packe den Teller mit dem Muffin, öffne die Fenster und Stelle das Muffin dann rauchend nach draussen. Der Hotelmanager an der Rezeption kommt auch gesprungen, als er merkt, dass sein Hotel kurz davor ist, abzufackeln, oder zumindest kurz davor, dass der Feueralarm ausgelöst wird. Überall über unseren Köpfen sind Sprinkleranlagen, die man vor lauter Rauch nur noch wie durch Nebel sieht. Das wäre ja jetzt echt das Beste, wenn die Sprinkleranlage loslegen würden mit der Folge, dass alle klatschnass sind und dazu noch das Hotel evakuiert werden müsste! Das wäre in der Tat ein feuchtfröhlicher Start in den Tag!
So weit ist es zum Glück nicht gekommen. Der Hotel Manager hat alle Türen geöffnet, die Mikrowelle wohlweislich entfernt und ist dabei erstaunlich cool geblieben. Meine Entschuldigung hat er grinsend entgegengenommen und gemeint, das sei ja nicht das erste Mal. Jan wird in Zukunft nach eigener Aussage nie mehr ein Blaubeermuffin anrühren. Ich konnte mich ab der Vorstellung, was alles hätte passieren können wegen eines Scheissblaubeermuffins und einer Mikrowelle vor Lachen fast nicht mehr einkriegen… 🥳😂😂🤣🤣
Hier noch das Corpus delicti.

Das Muffin war nach der Behandlung staubtrocken und hat etwas stark nach Rauch gerochen… Jan hat recht, das ist wirklich ungeniessbar! Das war ja mal ein lustiges Frühstück.
Nach dem Frühstück fahren wir zuerst zum Informationszentrum für die Wave-Exkursion Morgen früh. Laut Infos der netten Dame, welche uns brieft scheint das ja ein lebensgefährliches Unterfangen zu werden. Die Amis übertreiben immer etwas, wen es um die Sicherheit geht. Pragmatismus ist für Amis ein Femdword in dieser Beziehung. Safety first. Aber der Weg ist nicht markiert, man kriegt nur Fotos von Schlüsselstellen plus deren Koordinaten. Insgesamt ist es eine Rundwanderung über 6.5 Meilen, also 5 km hin, 5 km zurück. Dafür soll man mind. 1 Gallone = ca. 4 Liter Wasser pro Person mitnehmen. Das wären 16 Liter Wasser für uns vier. Was ja nicht grundsätzlich falsch ist. Aber wir sind ja keine 150 kg schwer und unsportlich. Und wir können uns im Gelände orientieren. Wir werden sehen. Wir haben beim Briefing noch ein deutsches Pärchen getroffen, welches Morgen auch dabei sein wird. Das wird eine spannende Tour
Als nächstes geht es zum Carl-Hayden-Visitor Center des Glen-Canyon-Damms. Auf der Brücke über den Colorado kommt uns dieser Schwertransporter entgegen. Breiter als die Strasse. Das wäre in der CH so wohl nicht möglich.

Das Besucherzentrum ist sehr informativ gemacht, sehr ausführliche Beschreibungen des Baus, der Funktion (Francisturbinen) und der aktuellen Situation (Entwicklung des Wasserstandes) des Damms und des Stausees, sowie Vergleiche mit den anderen grossen Dämmen der Welt. Der Wasserstand ist dieses Jahr seit langem mal wieder um 25 m gestiegen, da es diesen Winter ungewöhnlich viel Schnee gegeben hat in Colorado und den anderen Anrainerstaaten des Einzugsgebietes des Colorados. Es gab zum Teil mehr als 12 Meter Schnee im Hochgebirge. Das Schmelzwasser hat den See wieder etwas gefüllt. Aber die letzten Jahre ist der Pegel jedes Jahr gesunken. Man verbraucht viel mehr Wasser, als nachfliesst.
Somit wird auf die Wasserverschwendung und die nachhaltige Nutzung von Wasser eingegangen. Flora und Fauna wird beschrieben und man erhält kostenlose Karten von Arizona. Echt toll.
Mich interessiert das alles etwas mehr, als meine beiden Jungs. Es ist schwierig, ihnen heute was zu erklären. Sie sind völlig aufgedreht. Draussen erwartet uns der Blick in den Canyon.
Der Fluss war früher übrigens rot wegen der hohen Schwebefracht, hauptsächlich rotem Ton, welcher durch die Erosion in den Fluss gelangte. Deshalb der Name Colorado für die Farbe Rot. Seit dem Bestehen des Damms sinkt diese Schwebefracht an den Grund des Sees und der Fluss hat wieder eine normale grüne Farbe angenommen. Er müsste heute eigentlich Green River oder Rio Verde heissen.
Nach diesem eher intellektuellen Ausflug gehen wir Picknick, Früchte und Gemüse einkaufen für unser heutiges gesundes Mittagessen und die morgige Tour zu den Waves.
Ich habe extra ein Foto des Brotregals im Walmart gemacht, um festzuhalten, wie viele Sorten Brot (=Toast) es in den USA zu kaufen gibt. Zudem ein paar Fotos in welchen Mengen und wie lächerlich billig es hier Fleisch zu kaufen gibt. Über die Qualität des Fleisches kann ich nicht viel sagen.
Ein positiver Punkt für die USA (von vielen), sind die hilfsbereiten und offenen Menschen. Bei der Bierauswahl vor dem Regal kommt ein Typ an uns vorbei und zeigt auf ein Bier: «this one is fantastic». Okay danke, ist gekauft. Oder eben auf Wanderungen wird man oft nach seinen Erfahrungen gefragt, kriegt aber im Gegenzug auch Tipps vom Gegenüber. Braucht man Hilfe, muss man nur fragen.
Nach dem Abkühlen und dem Mittgessen im Hotel machen wir uns bereit für die Nachmittagstour zum Antilope-Canyon. Mein Kollege Thomas Bachmann meinte, das sei für ihn der eindrücklichste Canyon gewesen. Mal schauen, ob wir das auch so sehen.
Nach der Einführung durch Navajo-Natives müssen wir alle Säcke, Bauchtaschen, Fotokamerataschen usw. im Auto lassen. Nur das Smartphone oder eine Kamera darf mit, um zu fotografieren.




Wir durchlaufen den Canyon von unten nach oben. Deshalb laufen wir zuerst oberhalb durch den Sand bis zum unteren Ende des Canyons, was mörderisch heiss ist. Im Auto wurden 109 °F angezeigt, das sind weit über 40 Grad. Über dem Sand ist es dann durch die Abstrahlung noch einiges wärmer.
Was in den USA immer wieder zu denken gibt ist der Umgang mit Energie. Beim Eingang des Canyons stehen zwei Natives, welche die Besucherlisten kontrollieren. Ein Knochenjob, da es wirklich unerträglich heiss ist. Sie tragen auch noch alle lange Kleidung. Natürlich ist Abkühlung willkommen, dies in Form einer Klimaanlage, die den beiden in der heissen Wüstenluft kühle Luft zubläst. Draussen in der Wüste, nur unter einem Sonnenschutz. Das ist wie wenn wir in der CH einen Elektroofen draussen anheizen, um uns im Winter daran die Hände zu wärmen. Das alles ginge ja noch, wenn man dafür die Energie der Sonne mittels PV-Panels nutzen würde. Und es hat hier ja wirklich viel Sonnenenergie. Aber nein, neben der Klimaanlage steht ein benzinbetriebener Generator, der vor sich hin tuckert. Ich kann es nicht fassen!
Unten am Canyon bei der Klimaanlage angekommen steigen wir dann über Treppen in den Canyon hinab. Sobald wir im Canyon unten sind, wird es angenehm kühler. Die Farben und Formen des Sandsteins sind wiederum fantastisch. Wir haben einen tollen Navajo-Guide, der mit viel Humor und Ausführungen, sowie Fototipps die Tour aufpeppt und spannend macht. Wir haben weit über 100 Fotos gemacht. Hier nur die besten.












Mit etwas Fantasie, sieht man in vielen Formen Köpfe von Tieren oder Menschen. Aber auch nur die erodierten Fliessformen sind eindrücklich. Also ein absolut genialer Canyon, ist «wärmstens» zu empfehlen. Thomas hat recht.







Die Tour dauert 1:15 h. Der halbe Liter Wasser von Leon ist unterdessen leer. Leon trinkt bei jeder Gelegenheit Wasser aus seiner Flasche. Grundsätzlich gut, da er so weniger Gefahr läuft, zu überhitzen. Was schlecht ist, vor allem bei einer solchen Führung, die 75 Minuten dauert, ist, dass das Wasser, welches man nicht ausschwitzt, wieder raus will. Darum wurde Leon nach bereits einer halben Stunde immer unruhiger und hat das Ende der Führung kaum erwarten können. Er hat Jan unterdessen scheinbar als Pissnelke abgelöst. 😆😉
Nach der Gluthitze der Wüste gibt es ein Eis in Page. Auch hier, ich lächle einer Dame zu, die vor uns ein Eis kauft, sie nimmt das als Aufforderung(natürlich auch weil sie hört, dass wir nicht von hier sind), uns die beste Bechergrösse nach Preis-Leistungs-Verhältnis anzupreisen. Hätte sie nicht tun müssen. Ist aber einfach toll.

Zum Nachtessen zieht es uns heute zum Texaner, echtes texanisches BBQ. Wir haben die Smoker bereits am Morgen rauchen sehen und wollen das probieren. Pulled Beef mit Bohnen und Coleslaw Nachos mit Pulled-Pork und und Caesarsalat für uns. 3 Menus für 4 reichen locker, wie schaffen nicht alles. War gut, wird aber nicht zu unsem Lieblingsessen hier.


Das war also ein wiederum langer Tag und da wir heute keine Zeit für eine Siesta hatten, sind alle k.o. Der Schreiberling nutzt die Ruhe der Nacht, während die anderen schon schlafen und beendet den Blog mit diesem Satz…












Hallo Tobias. Also du schaffst es wirklich mit jedem Blog, dass er Krimimässig daherkommt. Kompliment. Ich sitze beim zmorgen, lese deinen Blog und wenn ich meinen Blutdruck nicht unter Kontrolle hätte, würde er jeden Tag ins unermessliche steigen. Aber ich finde es lustig!!! Danke für die tollen Bilder. Für mich wie von einer andern Welt. Genial. Ich hoffe ihr habt jetzt dann einmal ein Tag, dass es Jan und Leon fast langweilig wird. So zum «chillen» wie man neulich sagt. Bei uns war es noch ausruhen! Danke für alle Berichte und «machets guet» wünscht euch s’Mimami.